Geschichte

Erstmals wurde die Burg auf dem blanken Stein, einem Kalksteinmassiv, 1123 urkundlich erwähnt. Sie wurde zum Namensgeber für die sich am Fuße des Berges entwickelnden Stadt. Im Jahre 1305 wird von der 1550 Meter langen Stadtmauer berichtet. Die ältesten Gebäude der Stadt sind das Rathaus und die Bartholomäuskirche , beide wurden im 13. Jahrhundert erbaut. Die Bewohner der Stadt lebten vorwiegend von der Landwirtschaft und dem Handwerk. Feudale Fehden, die Ereignisse des Bauernkrieges und die Wirren des dreißigjährigen Krieges führten zur Zerrüttung der Wirtschaft und der Verarmung der Bevölkerung.

Mit dem Aussterben des Blankenburg Regensteiner Grafengeschlechts 1599 fiel das Gebiet an das Herzogtum Braunschweig-Lüneburg und 1651 an die Wolfenbüttler Linie. Herzog Anton Ulrich fand seinen jüngeren Sohn, Prinz Ludwig Rudolph, mit der Grafschaft Blankenburg ab. Die Entscheidung führte zu tiefgreifenden Veränderungen und zu einem geistigen und wirtschaftlichen Aufschwung.

Das heutige Schloss entstand und wurde neu eingerichtet, der Schlosspark und der barocke Terrassengarten gestaltet und das "Kleine Schloss" als Gartenschloss entstand. Die geschickte Heiratspolitik Herzog Ludwig Rudolphs sollte sich in der Erhebung der Grafschaft zum reichunmittelbaren Fürstentum politisch auszahlen. 1708 wurde die älteste Tochter Elisabeth Christine mit dem österreichischen Erzherzog Karl, dem späteren Kaiser Karl VI., verheiratet. 1711 heiratet Charlotte Christine Sophie den russischen Zarewitsch Alexej. Eine Verbindung zum preußischen Hof entstand durch die Ehe der dritten Tochter Antoinette Amalie mit Ferdinand Albrecht II. von Braunschweig Bevern.

Ein historisches Kuriosum entstand mit der Besetzung der strategisch günstig gelegenen ältesten deutschen Felsenburg Regenstein durch kurbrandenburgische Truppen im Jahre 1662. Der Regenstein wurde zur preußischen Festung ausgebaut und blieb bis 1945 preußische Enklave inmitten Braunschweiger Territorium.

Anfang des 18. Jahrhunderts blühten Bergbau und Hüttenwesen im Fürstentum auf, die Stadt hatte 1789 386 Wohnhäuser und 2 526 Einwohner. Neben Eisenerz wurden Sandstein, Farberden und Kalk abgebaut. Die stürmische wirtschaftliche Entwicklung nach der Reichsgründung von 1871 führte in Blankenburg zur Gründung zahlreicher kleiner Betriebe und dem Zuzug junger Menschen, die Einwohnerzahl der Stadt wuchs bis 1900 auf 10 000. Als bedeutendster Betrieb entstanden 1872 die "Harzer Werke", welche die Eisenerze des Harzes verhütteten. Der Bau der Eisenbahnlinie Halberstadt - Blankenburg (1872) und der Bau der Gebirgsbahn Blankenburg-Tanne (1885) brachten neben Vorteilen für die Industrie und den Handel einen Aufschwung für den Fremdenverkehr. Zahlreiche Hotels, Pensionen und Ausflugslokale boten ihre Dienste an. Der Fremdenverkehr wurde zu einem wichtigen Erwerbszweig. In zunehmenden Maße wurde die Stadt beliebter Ruhesitz von Pensionären.

Am 16. Mai 1914 wurde Schloss Blankenburg Wohnsitz der Familie des Herzogs Ernst August von Braunschweig und Lüneburg, der 1913 Prinzessin Viktoria Luise von Preußen, die Tochter Kaiser Wilhelm II geheiratet hatte. Die 1917 in Blankenburg geborene Tochter Friederike heiratete 1938 den späteren König Paul I. von Griechenland, deren Tochter ist die Gattin des spanischen Königs Juan Carlos.

1937 wurde Blankenburg Kurbad, Schlamm- und Moorvorkommen wurden zur Grundlage des "Teufelsbades".

Die herzogliche Familie war mit Unterbrechungen bis zum 22. Juli 1945 auf Schloss Blankenburg wohnhaft. Die Zeit des II.Weltkrieges ging bis wenige Stunden vor Kriegsende im Harzgebiet relativ spurlos an der Stadt vorbei. Die Kriegsmarine verlagerte die geheime U-Boot Konstruktion 1943 nach Blankenburg, unterirdische Höhlensysteme, unter unmenschlichen Bedingungen von KZ-Häftlingen und Zwangsarbeitern geschaffen, sollten Rüstungsbetriebe aufnehmen. Am letzten Kriegstag im Harz, dem 20.April 1945, wurde ein Teil der Stadt durch amerikanische Flugzeuge zerstört. Blankenburg wurde von amerikanischen Truppen besetzt, 60 000 deutsche Soldaten gingen im Raum Blankenburg in Gefangenschaft. Der amerikanischen Besatzung folgen die Briten und am 23. Juli 1945 die Sowjets. Der Kreis Blankenburg wurde durch die Zonengrenze geteilt, die Kreisstadt mit 16 Gemeinden gehörten zur sowjetischen und Braunlage mit 5 Gemeinden zur britischen Zone.
Die herzogliche Familie verließ mit den Briten Blankenburg unter Mitnahme fast des gesamten Inventars des Schlosses und verlagerte es auf die Marienburg bei Hildesheim. Aus dem Schloss wurde ein Erholungsheim und später eine Fachschule. Ab 1991 stand das Gebäude leer bis sich nun seit einigen Jahren der Verein Rettung Schloss Blankenburg e.V. aufopferungsvoll um die Instandhaltung, Restauration und Wiederbelebung kümmert.

Die bis zur Wende in der Stadt ansässigen drei Großbetriebe bestehen heute nur noch als Kleinbetriebe. Blankenburgs Stadtväter setzen gegenwärtig auf die Ansiedlung von Kleinbetrieben, das Kurwesen und den Tourismus.

Bedeutende Persönlichkeiten

Robert Koldewey, einer der bedeutendsten deutschen Archäologen, wurde 1855 in Blankenburg geboren. Das Ischtartor, die Prozessionsstraße von Babylon und die "Hängenden Gärten der Semiramis", eines der Weltwunder, wurde von ihm gefunden und ausgegraben.

Der in Blankenburg gebürtige Philosoph Oswald Spengler (1880) sorgt bis in die Gegenwart mit seinem 1922 erschienen Hauptwerk "Der Untergang des Abendlandes - Umrisse einerMorphologie der Weltgeschichte" für kontroverse Diskussionen weltweit.

Text: W. Reimann

Chronik der Stadt Blankenburg (Harz):
Um 1100Errichtung der Blankenburg auf einem steilen blanken Kalkfelsen
1123Erste urkundliche Erwähnung der Blankenburg
1133Graf Poppo, Begründer des Blankenburger Grafengeschlechts, wird urkundlich erwähnt
1142Poppos Söhne treten als regierende Grafen auf
1167Erste Erwähnung des Dorfes Linzke oder Linezke (in der Nähe vom heutigen Lühnertorplatz)
1182Burg und Stadt werden durch kaiserliche Truppen Friedrich Barbarossas verwüstet
12. JahrhundertErste Bauarbeiten zum Kloster Michaelstein
13. JahrhundertUrsprung der Bergkirche St.Bartholomäus
1305Erste urkundliche Erwähnung der 1550 m langen Stadtmauer
1384Graf Dietrich von Wernigerode überfällt die Blankenburg
1425Großer Stadtbrand (ebenso 1836 u. 1847)
1433Erster Nachweis für die Erbauung des Rathauses (Renaissance-Umbau erfolgte 1584)
1525Aufständische Bauern dringen in die Stadt ein und fordern die Öffnung der Stadttore
1599Das Grafengeschlecht stirbt aus. Blankenburg fällt an das Welfenhaus zurück
1618-1648Im Dreißigjährigen Krieg erlebt Blankenburg sechs verschiedene Besatzungsphasen
1648Blankenburg hat eine schwere wirtschaftliche Lage durch die Auswirkungen des 30jährigen Krieges
1674Ursprungsjahr der ältesten noch erhaltenen Schützenplakette
1675Beginn der Buchdruckerei in Blankenburg
1690-1731Regierungszeit des Herzogs Ludwig Rudolf auf Schloss Blankenburg
1707Die Grafschaft Blankenburg wird zum Herzogtum erhoben
1725Errichtung des fürstlichen Lustgartens
1788Beginn der touristischen Erschließung der Teufelsmauer (1853 Anlage des Klippenweges)
1796-1798Als Asylant weilt in Blankenburg Prinz Ludwig von Frankreich (1755-1824), 1814-1824 als Ludwig XVIII. Herrscher von Frankreich
1807-1813Blankenburg gehört zum Königreich Westfalen
1815-1945Existenz des braunschweigischen Landkreises Blankenburg (Harz)
1833Mit der Liedertafel beginnt die Tradition der Blankenburger Gesangsvereine
1845-1945In Blankenburg erscheinen eigene Zeitungen
1845Beginn des Gaststättenbetriebes auf dem Ziegenkopf
1845Gründung des Bürgervereins (Selbstauflösung 1933)
1860Inbetriebnahme des Kiefernadelbades (erste hiesige Kureinrichtung)
1870Gründung der AG "Harzer Werke zu Rübeland und Zorge" mit Sitz in Blankenburg
1877Central-Fischzuchtanstalt des Harzes durch Anhalt, Braunschweig und Preußen auf dem Klostergut Michaelstein errichtet
1882Einweihung der St.-Josef-Kirche durch die nachreformatorische katholische Kirchengemeinde
1883"Herzog-Wilhelm-Hospital" wird als städtisches Krankenhaus übergeben
1885Inbetriebnahme der Rübelandbahn
1886Gründungsaufruf des "Harzclubs" geht von Blankenburg aus
1888Erste Ausgabe des Blankenburger Einwohnerbuches
1899Gründung des Blankenburger Gewerkschaftskartells, dem ab 1901 alle hiesigen Berufsverbände angehören
1900Gründung der Neuapostolischen Kirchengemeinde Blankenburg
1913Eröffnung des städtischen Verkehrsamtes
1928Einweihung der Marthakapelle auf dem Friedhof
1938Gründung des Teufelsbades
1940Regierungsamtliche Anerkennung als Heilbad unter dem Namen "Rheumabad Blankenburg (Harz)"
1945In Blankenburg fallen Menschenleben und historische Bausubstanz den Kriegshandlungen zum Opfer. Ein bedeutender Teil des Stadtzentrums wird zerstört
April-Juli 1945Blankenburg wird nacheinander von amerikanischen, britischen und sowjetischen Truppen besetzt. Eine willkürliche Zonengrenze teilt den Kreis Blankenburg
1946Bis zum September finden 3474 Umsiedler (Zahlen nur für Erwachsene nachweisbar) in Blankenburg eine neue Heimat
1952Blankenburg wird im Zuge der Kreisreform dem Kreis Wernigerode zugeordnet
1976Der Gemeindeverband Blankenburg, der 24000 Einwohner umfasst wird gegründet Mitglieder sind: Altenbrak, Blankenburg, Börnecke, Cattenstedt, Heimburg, Treseburg, und Wienrode
1987Die St. Bartholomäus-Kirche wird zur Begenungsstätte für Gegner des politischen Systems der DDR
1990Erste Stadtverordentenversammlung im ehemaligen Clubhaus Harzer Werke
Bestehende Städtefreundschaften zu Georgsmarienhütte, Meerbusch, Herdecke, Wolfenbüttel
1992Bildung der Verwaltungsgemeinschaft Blankenburg (Harz) mit den Orten Cattenstedt, Heimburg, Hüttenrode, Timmenrode und Wienrode
1993Vereinbarung über die Eingemeindung Börneckes in die Stadt Blankenburg (Harz)
1997Umsetzung des Programmes "kurörtliche Infrastruktur"
1997Überführung des Instituts Michaelstein in die öffentlich-rechtliche Stiftung Kloster Michaelstein - Musikinstitut für Aufführungspraxis
2000Übergabe des historischen Prinzessinnenturms im Barocken Bergarten
200110 Jahre erfolgreiche Altstadt-Sanierung
2002Fertigstellung des Umbaus des Thie-Gymnasiums, als moderner Schulkomplex
2010

Aufgrund der Gemeindegebietsreform im Land Sachsen-Anhalt werden die Stadt Derenburg und die Gemeinden der bis zum 31.12.2009 existierenden Verwaltungsgemeinschaft Blankenburg (Harz) - Cattenstedt, Heimburg, Hütterode, Timmenrode und Wienrode - in die Stadt Blankenburg (Harz) als Ortsteile eingemeindet.


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