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Der Stadtpark

 

(Auszug aus der "Bewerbung der Stadt Blankenburg (Harz) um die Durchführung der Landesgartenschau Sachsen-Anhalt 2022" von HNW Landschaftsarchitektur; Carsten Homeister & Susanne von Weymarn)

Stadträumliche Bedeutung:

Im Gegensatz zum repräsentativen Thiepark hat der Stadtpark als 2,9 ha große öffentliche Parkanlage den Charakter eines introvertierten Gartenraumes. Es ist überwiegend von Privatgärten umgeben und tritt lediglich im Süden entlang der Gartenstraße stadträumlich etwas prominenter in Erscheinung. Sein besonderes Ambiente wird wesentlich von dem beeindruckenden alten Baumbestand geprägt. Die vorhandenen Gebäuderelikte und kleineren Brachflächen wirken durch ihre Einbettung in eine gepflegte Parkanlage nahezu wie pittoreske Staffagen.

Der Stadtpark wird durch seine unmittelbare Nähe zur Altstadt und seine Atmosphäre als Ruheoase rege genutzt. Die Wohnumfeld-Funktionen scheinen im Stadtpark deutlicher ausgeprägt als im Thiepark — u. a. weil er im Gegensatz zu diesem über ein Spielangebot verfügt und dadurch auch beliebtes Ziel für Familien oder Kindertagesstätten ist.

Darüber hinaus hat der Stadtpark zweifellos eine stadthistorische Bedeutung, weil er Facetten der Kurort- und Kulturparktradition repräsentiert.

 

Geschichte:

Der Stadtpark ist am Wasserwegsbach zwischen Kloster- und Gartenstraße aus einem privaten Sanatoriumsgarten des ausgehenden 19. Jahrhunderts entstanden und hat seitdem eine wechselvolle Entwicklung durchlaufen:

  • ab 1887: Der Sanatoriumsgarten des Dr. Eyseleyn entsteht aus der Zusammenlegung mehrerer Privatgärten. Die damalige Ausdehnung ist heute im Wesentlichen noch erhalten. Die einstige im nördlichen Bereich befindliche Teichanlage mit Pumpenhaus wurde nach 1900 überformt. An der Stelle des Pumpenhauses befindet sich heute ein zugewachsener Aussichtshügel.
  • 1935: Die Anlage geht in das Eigentum der Kommune über, die den Garten seitdem als Stadtpark nutzt und entwickelt.
  • 1936: Kauf von Grundstücken an der Klosterstraße, wodurch eine Wegeführung zur Gartenstraße möglich wird. Vermutlich wird in den 1940er-Jahren eine Liegehalle errichtet, die noch bis Mitte der 1980er-Jahre erhalten war.
  • 1939 entsteht die erste Bühne für Kurkonzerte, deren genauer Standort unklar ist.
  • 1950er-Jahre: Beginn der Umgestaltung des Stadtparks im Rahmen des Kulturparkprogramms der DDR: Errichtung einer hölzernen Freilichtbühne 1950-52 und einer Tanzfläche mit Pavillon westlich des Parkcafés 1953
  • 1966: erstmalige Durchführung des „Blankenburger Sommer“ im Stadtpark, der sich als Sommer-Filmtage und Betriebsfestspiele zu einer populären regelmäßigen Veranstaltung entwickelt
  • 1972/73: Bau eines stationären Filmvorführhauses
  • 1974/75: Modernisierung der Parkbühne im Nationalen Aufbauwerk (NAW)
  • 1983: Anbringung des Wandfrieses oberhalb der Parkbühne

Die heutige Ausdehnung des Stadtparks bildet den ehemaligen Sanatoriumsgarten und seine Erweiterung zum Stadtpark noch ab. Das westlich angrenzende Seniorenheim befindet sich auf dem Standort des ehemaligen Sanatoriums. Von der historischen Anlage aus der Zeit um 1900 sind heute noch Teile des Wegenetzes, einzelne Gehölze, die Einfassung des Wasserwegsbachs und der Aussichtshügel vorhanden.

Die Infrastrukturen der 1950er- bis 1970er-Jahre — Parkbühne, Filmvorführgebäude, Tanzpavillon — zeugen heute nur noch als teilweise baufällige Relikte von der „Kulturpark-Epoche“ des Stadtparks.