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Bündnis Kommunen für biologische Vielfalt & das Label "StadtGrün naturnah"

Das Label „StadtGrün naturnah“ unterstützt Kommunen bei der Umsetzung eines ökologischen Grünflächenmanagements und zeichnet vorbildliches Engagement auf kommunaler Ebene aus.

Seit dem 1. Oktober 2019 läuft für uns und 14 weitere Kommunen das Verfahren zum Label „StadtGrün naturnah" des Bündnisses "Kommunen für biologische Vielfalt".

Im Oktober 2020 ist die Blütenstadt dem Bündnis ebenfalls beigetreten. Hier finden Sie den Flyer des Bündnisses.

Biodiversitätsstrategie beschlossen

Verwilderte Wiesen? Totholz am Wegesrand? Was für manche anmutet, als würde der kommunale Bauhof nicht tätig werden, zeugt genau vom Gegenteil: Es ist aktiver Schutz der Pflanzen- und Tierwelt – und tut auch dem Menschen gut.

Bislang wurden die städtischen Grünflächen so gepflegt, dass ein Artenreichtum größtenteils verhindert wurde. Mit der kürzlich beschlossenen Biodiversitätsstrategie bekennt sich die Stadt Blankenburg (Harz) nun dazu, ihren Beitrag für ein biodiversitätsförderndes und das Stadtklima verbesserndes Stadtgrün zu leisten. Wo bislang gemulchte Vielschnittrasen und Zierbeete mit nichtheimischen Sorten das Stadtbild prägten, soll sich dies nun ändern. Es gilt, umzudenken!

Wilde Wiesen statt englischem Rasen

Normalerweise findet man auf städtischen Rasenflächen aufgrund einer intensiven Pflege mit mehreren Mähgängen pro Jahr nur wenige Pflanzenarten. Wo Wiesen jedoch nur zwei- bis dreimal pro Jahr gemäht werden, sind sie entsprechend der Devise „Weniger ist mehr“ am artenreichsten.

Ein erster Schnitt – zwischen Mai und Ende Juni – drängt die wuchskräftigen Obergräser zurück und schafft das nötige Licht für konkurrenzschwächere Blumen und Kräuter. Damit alle Pflanzenarten ihre Samenreife abschließen können, sollte der zweite Schnitt nicht vor Mitte bis Ende September erfolgen. Hierbei sollten natürlich die Gegebenheiten vor Ort beobachtet werden, um den richtigen Zeitpunkt zu wählen. So können im Laufe des Sommers neue Blüten- und Fruchtstände ausgebildet werden.

Durch ungemähte Blühinseln, Randstreifen oder Saumelemente kann das Vorkommen von Tagfaltern, Heuschrecken und Wildbienen deutlich gesteigert werden, da diese dort noch Nahrung und Schutz finden.

Was auf diese Weise den Pflanzen und Tieren, denen dadurch ein breites Nahrungsangebot geschaffen wird, zugutekommt, sorgt mitunter für Unverständnis bei der Stadtbevölkerung.

Eine weitere Herausforderung ist der Umgang mit dem Mähgut. Bei der Bewirtschaftung von Wiesen fallen große Mengen Mähgut an, welches bisher zerkleinert auf den Flächen verblieb. Da dies dem Artenreichtum schadet, muss es von der Fläche entfernt werden. Häufig ist es jedoch durch Müll und Hundekot verunreinigt, so dass es nicht weiter genutzt werden kann – etwa als Kompost oder Futter für die Landwirtschaft.

Aufgrund der jahrelangen intensiven Pflege vieler innerstädtischer Wiesenflächen können diese teils verarmt sein, so dass keine Wiesenkräutersamen mehr vorhanden sind. Um artenreiche und ästhetische Wiesen in überschaubaren Zeiträumen zu entwickeln, wird an manchen Standorten eine Neu- oder Nachsaat erforderlich sein.

Hier heißt es, Geduld aufzubringen, da über ein Jahr vergehen kann, bis sich erste Erfolge einstellen und die gewünschte Blütenpracht zutage tritt.

Staudenmischungen statt Wechselflor

Blankenburg, die Blütenstadt am Harz. Brachte bislang auf Zierflächen größtenteils Wechselflor Farbe und eine Blütenpracht in die Stadt, wird nun Schritt für Schritt vermehrt auf Staudenmischbepflanzung gesetzt. Damit kann nachhaltig und naturnah für Attraktivität im Stadtbild gesorgt werden. Anstelle einer zwei- oder dreimaligen Neubepflanzung pro Jahr können Stauden bei richtiger Planung und Pflege über viele Jahre hinweg immer wieder neu blühen. Hierbei gilt es, insektenfreundliche Arten zu wählen – ungefüllt, gebietseigen, reich an Nektar und Pollen, so dass Schmetterlinge, Wildbienen und weitere Insekten angelockt werden. Bis zum Frühjahr belassene Stauden mit ausdauernden Blütenständen bieten Insekten einen wertvollen Brut- und Überwinterungsplatz und Vögeln an den reifen Samenständen Nahrung.

Für die entsprechenden Licht-, Wasser- und Bodenverhältnisse gilt es, die richtigen Pflanzen zu wählen, um tatsächlich dauerhafte und im besten Fall auch pflegereduzierte Staudenbeete zu erhalten.

Nicht jedes Saatgut geeignet

Gut gemeint ist oft nicht gut gemacht. Saatgutmischungen aus dem Supermarkt sind selten bis gar nicht nachhaltig und fördern auch den Artenreichtum nicht, auch wenn die Aufdrucke mit vielen bunten Blumen und Bienen einen anderen Eindruck vermitteln. Häufig beinhalten sie nicht-heimische Kultur- und Zierpflanzen oder Arten nicht-gebietseigener Herkunft. Ausgebracht werden sollten jedoch gebietsheimische Arten – das sogenannte Regiosaatgut, um negative Folgen für die Umwelt zu vermeiden. Für die Kernstadt Blankenburg und die Ortsteile Börnecke, Cattenstedt, Derenburg, Heimburg, Timmenrode und Wienrode gilt als Herkunftsregion das mitteldeutsche Tief- und Hügelland. Für den Westrand der Kernstadt sowie den Ortsteil Hüttenrode gelten das obere Weser- und Leinebergland mit dem Harz als Herkunft regionalen Saatguts.

Bienensterben?

Hört man in den Medien meist vom Bienensterben, sind damit nicht die Honigbienen gemeint, deren Vorkommen in den letzten Jahren dank der wachsenden Zahl von Imkereien angestiegen ist. Mit Bienensterben ist vielmehr der Rückgang der Wildbienen gemeint. Diese leben nicht in Bienenstöcken, sondern sind meist Einzelgänger und leben solitär. Nur wenige Arten, wie zum Beispiel Hummeln, besitzen eine soziale Lebensweise. Solitär lebende Wildbienenweibchen bauen – ohne die Hilfe von Artgenossen – Nester, zum Beispiel in hohlen Pflanzenstängeln oder Erdlöchern. Im Laufe des vier- bis achtwöchigen Lebens bauen sie vier bis 30 Brutzellen und versorgen sie mit allem, was die Larven benötigen. 30 Prozent dieser nestbauenden Wildbienen sind auf den Pollen ganz spezieller Pflanzenfamilien, teils sogar -arten angewiesen, um den Nachwuchs zu versorgen.

In Deutschland sind 585 Wildbienenarten bekannt. Sie haben eine enorme Vielfalt in Gestalt und Aussehen – es gibt sie in zahlreichen Formen und Farben von rot, braun, weiß, gelb oder orange. Einige sind pelzig behaart, manche wiederum fast kahl. Die deutsche Wildtierstiftung hat sie als bedroht eingestuft, das heißt, dass die Bestände erheblich zurück gegangen sind oder durch menschliche Einwirkungen bedroht sind. Wildbienen konnten früher von der Strukturvielfalt kleinbäuerlicher Landwirtschaft profitieren. Durch die zunehmende Industrialisierung und immer mehr versiegelten Flächen, etwa für den Wohnungs- und Straßenbau, finden sie immer weniger Nahrung und geeignete Nistplätze. Hinzu kommt ihre sehr geringe Fortpflanzungsrate. Für die Tiere wertvolle Strukturen wie Sandwege, alte Hecken, Totholz und Steinhaufen werden ebenfalls immer weniger oder sind bereits ganz verschwunden.

Um sie zu retten, gilt es, Lebensräume mit einem ganzjährigen Blühangebot und geeigneten Nistmöglichkeiten zu schaffen. Vielerorts sieht man inzwischen Bienenhotels. In vielen Supermärkten gibt es sie zu kaufen, Bastelanleitungen finden sich zu Hauf. Doch auch hier gibt es einiges zu Bedenken, da viele dieser Nisthilfen für Wildbienen nicht oder kaum zu gebrauchen sind. Es gilt, sich mit ihren Bedürfnissen zu beschäftigen. Ungeeignete Materialien und Verarbeitungen können die Tiere verletzen. Auch der Standort ist wichtig, da dieser möglichst regengeschützt und mit mehreren Sonnenstunden am Tag gewählt werden sollte.

In Europa sind rund 80 Prozent der Wildpflanzen und etwa 150 verschiedene Nutzpflanzen abhängig von der Bestäubung durch Insekten. Wildbienen sind unverzichtbare Bestäuber, da sie Blüten zur Ernährung ihrer Brut häufiger als andere Insekten besuchen müssen. Das gilt nicht nur für Wildkräuter, sondern unter anderem auch für Obstbäume und Beerensträucher. Wer sich also über eine reiche Kirsch-, Apfel- oder Beerenernte freuen möchte, darf Wildbienen im Gegenzug auch gern etwas Gutes tun.

Weitere Informationen zu Wildbienen finden Sie zum Beispiel unter www.wildbiene.org.

Und wir Menschen?

Die vorgenannten Maßnahmen dienen nicht nur der Pflanzen- und Tierwelt. Auch die Einwohnerschaft und Gäste der Stadt profitieren davon. Naturnahes Stadtgrün tut den Menschen gut und fördert zudem die gesunde Entwicklung von Kindern. Es schafft eine lebenswerte Atmosphäre und wirkt sich insbesondere durch Kühlung, Schattenspende, Lärmminderung, Frischluftversorgung und die Filterung von Schadstoffen positiv auf das städtische Klima aus.

Alle können etwas tun!

Wenn wir etwas für den Artenschutz im Allgemeinen und den Wildbienenschutz im Besonderen machen möchten, können alle helfen. Jede noch so kleine Maßnahme zählt. Wer keinen Garten hat, hat vielleicht einen Balkon und wer auch den nicht hat, kann zumindest darüber reden und andere animieren, sich ebenfalls für Biodiversität einzusetzen.

Neben der Umsetzung seitens der Stadt Blankenburg (Harz) wird mit der Biodiversitätsstrategie auch das Ziel verfolgt, Verständnis, Wertschätzung, Akzeptanz sowie Unterstützung und Engagement für den Erhalt der biologischen Vielfalt bei den Einwohnerinnen und Einwohnern sowie den Unternehmen zu stärken und Eigeninitiative in der Bevölkerung fördern. Diese Strategie soll einladen, ermutigen und inspirieren, gemeinsam für mehr Biodiversität in der Stadt Blankenburg (Harz) mit ihren sieben Ortsteilen zu agieren.

Weitere Maßnahmen

Neben dem neuen Umgang mit Rasen- und Wiesenflächen sowie dem gärtnerischen Grün gibt es noch weitere Möglichkeiten des Handelns. So finden in der Biodiversitätsstrategie auch Bäume und Sträucher ihre Beachtung. Diese werden bei der Nach- und Neupflanzung standortgerecht gewählt und sollen Tieren viel Nahrung in Form von Blüten und Früchten bieten. In grünordnerischen Festsetzungen werden Pflanzlisten mit heimischen Arten bei der Bauleitplanung vorgegeben.

Der Aspekt Lebensraum rückt immer weiter in den Fokus, so dass Biotop- und Habitatbäume erhalten werden. Totholz und Höhlungen werden als Lebensraum belassen, wo dies die Verkehrssicherungspflicht erlaubt.

Auch Uferbereiche wurden bedacht, so dass deren ökologische Funktionen wie Lebensraum für Tiere und Pflanzen, Nahrungsquelle und Überwinterungsquartier mehr Beachtung und Berücksichtung finden.

Mit der vorliegenden Strategie bekennt sich die Stadt zum Verzicht auf biodiversitätsschädigende Praktiken. So soll künftig auf Pestizide, schädigende Düngemethoden, Torf und Laubsauger verzichtet werden.

Es sollen gezielt Flächen als Lebensräume für Tiere und Pflanzen entwickelt, Nisthilfen geschaffen, Biotope vernetzt und Flächen entsiegelt werden, wo dies möglich ist.

Auch kommunale Satzungen werden künftig hinsichtlich ihrer Möglichkeiten in Sachen Artenschutz überprüft und entsprechend angepasst.

Biodiversitätsstrategie

Das Label

Flyer (Der Infoflyer stellt kurz alle wichtigen Infos rund um das Label dar.)

Broschüre (Die Broschüre gibt einen Überblick zu den zentralen Themen eines ökologischen Grünflächen-managements und veranschaulicht diese mit Praxisbeispielen.)

Argumentationspapier (Das Argumentationspapier liefert die wichtigsten Gründe für eine naturnahe Gestaltung der innerstädtischen Grünflächen.)

Handlungsoptionen (Die Handlungsoptionen skizzieren Spielräume von Kommunen zur Förderung der biologischen Vielfalt im Siedlungsraum.)

Handlungsempfehlungen & Informationen für Bürger*innen

Broschüre "Insektenfreundlich gärtnern" des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit)

Broschüre "Wir tun was für Bienen. Ratgeber für bienenfreundliches Gärtnern", herausgegeben von der Stiftung für Mensch und Umwelt.

NABU-Tipp „Gärtnern ohne Gift“ zum kostenlosen Download