english version
Stadtverwaltung: 03944 943-0

Bündnis Kommunen für biologische Vielfalt & das Label "StadtGrün naturnah"

Das Label „StadtGrün naturnah“ unterstützt Kommunen bei der Umsetzung eines ökologischen Grünflächenmanagements und zeichnet vorbildliches Engagement auf kommunaler Ebene aus.

Seit dem 1. Oktober 2019 läuft für uns und 14 weitere Kommunen das Verfahren zum Label „StadtGrün naturnah" des Bündnisses "Kommunen für biologische Vielfalt".

Im Oktober 2020 ist die Blütenstadt dem Bündnis ebenfalls beigetreten. Hier finden Sie den Flyer des Bündnisses.

Motivation für die Bewerbung um das Label „StadtGrün naturnah“

Die Lebensqualität der Stadt Blankenburg (Harz) beruht unter anderem auf ihren kulturhistorischen Schätzen und ihrer außergewöhnlichen Ausstattung mit Landschafts- und Parkräumen. Das Leitmotiv „Die Blütenstadt am Harz“, fußt auf einer langen Tradition in der Obstbaumzucht bereits ab 1740. Um 1900 gab es rund 73000 Obstbäume in der Stadt.

Als Stadt der Parks und Gärten ist das Grün unser Erbe. Dies spiegelt sich nicht nur in den sehr gut gepflegten und angelegten barocken Parks und Gärten im Schlossensemble wider – aufgrund ihrer Bedeutung wurden die Schlossgärten in das Netzwerk „Gartenträume – Historische Parks in Sachsen-Anhalt“ aufgenommen und bereits drei Mal mit dem GreenFlag Award ausgezeichnet. Die Begründer der modernen Forstwirtschaft mit internationalem Renommee, Forstmeister Johann Georg von Langen und sein Schüler Hans Dietrich von Zanthier, wirkten ab dem 18. Jahrhundert in den Schlossgärten. Der Tiergarten ist Teil des Nationalen Naturerbes Deutschland, zu dem Flächen, die einen besonderen naturschutzfachlichen Wert haben, und die für die jeweilige Region von Bedeutung sind, zählen. Heute ist dieser Tiergarten im Eigentum der Stiftung Umwelt, Natur- und Klimaschutz Sachsen-Anhalt (S.U.N.K.). Diese setzt hier ein Konzept zur naturnahen Waldentwicklung um. Im Schlosspark werden Blühwiesen stehen gelassen, Landschaftspflege erfolgt seit mehreren Jahren durch dort weidende Schafherden. Totholz wird nicht entfernt, sondern dient als Lebensraum für Insekten.

Die beiden Parks Thie- und Stadtpark, angelegt als historische Bürgerparks, wurden als kommunale Parkanlagen entwickelt mit den Schwerpunkten Kur- und Kulturpark. Im Stadtpark findet sich ein überwältigender, alter Baumbestand wieder, der ein wunderbares Ambiente bietet. Der Park wird in den kommenden Jahren ertüchtigt, wobei bei der Wahl der neu anzusiedelnden Pflanzen ökologische Gesichtspunkte im Vordergrund stehen werden. Klösterliche Gartenkultur wurde in den Kräuter- und Gemüsegärten des Klosters Michaelstein nach historischen Vorbildern angelegt und dienen als Schauräume. Viele opulente Villengärten zeugen noch heute von der großbürgerlichen Gartenkultur der Gründerzeit.

Eingebettet zwischen dem steil ansteigenden bewaldeten Harzmassiv, dem so genannten „Unterharz“, und der hügeligen, landwirtschaftlich geprägten Vorharzlandschaft der „Harzrandmulde“ mit einzelnen „Waldinseln“ auf markanten Erhebungen, wie zum Beispiel dem Regenstein, ist das Stadtgebiet attraktiv gelegen. Es herrscht ein niederschlagsarmes, fast mediterranes Klima, welches Blankenburgs Gesundheits- und Erholungskompetenz ausmacht. Die naturnahen Heilmethoden des Adolf Justs fanden ihren Ursprung in Blankenburg und auch das Heilmittel Moor, welches im Helsunger Bruch am Rande der Stadt abgebaut wird, untermauert den Zusammenhang zwischen dem Gesundheitsstandort und der Natur.

Die drei genannten öffentlichen Parkanlagen, die – je nach Struktur – mehr oder weniger intensiver Pflege bedürfen, werden ergänzt durch Flächen extensiver Bewirtschaftung. Ein weiterer Park – der Park der Generationen, welcher als Ausgleichs- und Ersatzmaßnahme eines Straßenbaus entstand, wird extensiv bewirtschaftet und bietet Flora und Fauna Entwicklungsmöglichkeiten. Die regionalen Stromanbieter Stadtwerke Blankenburg GmbH und die Avacon AG widmen sich gemeinsam mit der S.U.N.K. dem ökologischen Trassenmanagement und schufen so ein Biotop für seltene Pflanzen und Tiere auf rund 200.000 m². Auf sogenannten „Eh da-Flächen“ wurden nicht nur seitens der Stadt, sondern auch von Landwirten Blühstreifen und Bienenweiden geschaffen. Private Initiativen errichten an vielen Orten in der Stadt Bienotels, um Bienen Lebensraum zu schaffen, hinzu kommen immer mehr Imker. Der zu Blankenburg zählende Derenburger Stadtforst wurde aufgrund nachhaltiger Bewirtschaftung mehrfach PEFC-zertifiziert – aktuell bis zum Jahr 2021. Der Verein „Blankenburg blüht auf“ widmet sich mit verschiedenen Projekten dem Bewusstsein einer grünen und blühenden Stadt. Der Walderlebnispfad des Jugendwaldheims bringt schon den Kleinsten das Leben im Wald nahe. In den Einrichtungen der Stadt spielen insbesondere in Verbindung mit Kindern und Jugendlichen die Umweltbildung und das Bewusstsein um den Reichtum unserer Naturraumausstattung eine wachsende Rolle. Mit Hilfe von Partnern geht es um den Erhalt und die Wiederbelebung von Streuobstwiesen der Region. Die Reduzierung des Einsatzes von Düngern und Pestiziden ist Thema im Technischen Eigenbetrieb der Stadt, der für die kommunalen Grünflächen verantwortlich ist. Seit einigen Jahren kommt es dort zum verstärkten Einsatz von mehrjährigen und standorttypischen Pflanzen. Bei Straßenbaumaßnahmen wird besonderer Wert auf das Straßenbegleitgrün gelegt.

Ziele und Unterstützung

Die bereits etablierten Aktivitäten gilt es, auszubauen und zu koordinieren, damit ein strategischer Umbau gelingt. Es ist offensichtlich, dass eine diverse Natur im unmittelbaren Wohnumfeld zu erhöhter Lebensqualität und Wohlbefinden beiträgt. Angesichts der spürbaren Veränderungen durch die Ausschöpfung und Überforderung der natürlichen Ressourcen und dem unübersehbar stattfindenden Klimawandel hat sich ein Handlungsdruck entwickelt, dem sich Blankenburg nicht entziehen will und darf. Die positive Wirkung von Stadtgrün auf das Stadtklima, insbesondere durch Kühlung, Schattenspende, Lärmminderung, Frischluftversorgung und die Filterung von Schadstoffen, müssen zum Allgemeingut werden. Der Rückgang der Artenvielfalt bei unseren heimischen Tieren und Pflanzen im städtischen und ländlichen Bereich führt zu berechtigten Forderungen von Bürgerinnen und Bürgern nach einer breiteren Umstellung des städtischen Grüns und des Kommunalwaldes von intensiver auf extensive Bewirtschaftung. Auch absterbende Baum- und Strauchbestände durch die vergangenen und zu erwartenden trockenen Jahre fordern ein stärkeres Umdenken beim Anlegen und der Pflege von Grün- und Waldflächen. In der Stadt und ihrer Umgebung müssen grüne Oasen erhalten und erweitert werden. Umwelt muss auch zukünftig am praktischen Beispiel erlebt werden können. Angesichts von in Anzahl und Intensität wachsenden Hochwasserereignissen in unserer Region wird deutlich, dass auch der Einsatz von strömungshemmender und erosionsverhindernder Begrünung ein unverzichtbarer Bestandteil beim Hochwasserschutz werden muss.

Über eine kraftvoll synchronisierte Kampagne, wie sie im Rahmen des Labeling-Verfahrens „StadtGrün naturnah“ erfolgen wird, versprechen sich die Unterstützer dieser Bewerbung, durch die gezielte Öffentlichkeitsarbeit vor Ort, die Einwohnerinnen und Einwohner, Schülerinnen und Schüler, Kindereinrichtungen sowie Initiativen, Vereine und Unternehmen für die naturnahe Gestaltung in der Stadt und auf ihren Grundstücken zu sensibilisieren, zu motivieren und zu aktivieren. Das Thema des naturnahen Stadtgrüns muss tief im Bewusstsein der Öffentlichkeit verankert werden, um in der heutigen Zeit einen Beitrag für eine umwelt- und artgerechte Zukunft zu leisten.

Unsere Stadt soll grüner werden. Die Stadt wurde als staatlich anerkannter Erholungsort zertifiziert. Das Label „StadtGrün naturnah“ ist eine Krone für dieses Zertifikat und viele Akteure, die bereits seit Jahren etwas für die Vielfalt und den Artenreichtum tun. Als familienfreundliche Stadt ist Natur in der Stadt ein wichtiger Standortfaktor. Durch das Label erhoffen wir uns die Unterstützung, das Grün weiter zu erschließen.

Mit Hilfe der vielen aktiven Unterstützer aus dem politischen Umfeld (Stadträte, Vertreter der Stadt in anderen Gremien, Parteien und Institutionen), unzähligen engagierten Bürgerinnen und Bürgern, naturnahen Landwirtschaftsbetrieben, innovativen Unternehmen, dem Verein „Blankenburg blüht auf“, der S.U.N.K., den Schulen und Kindertagesstätten, dem Imkerverein Blankenburg, den Baumschulen und Gartenbaubetrieben ist ein solcher Prozess erfolgreich durchzuführen. Die Aktivitäten wie Blühflächen und naturnahe Begrünung in Gemeinden und in der Land- und Forstwirtschaft der Region zeigen der Stadt Blankenburg (Harz), dass ein solcher Prozess gelingen wird. Das Label „StadtGrün naturnah“ ist hierfür eine wertvolle Sprungschanze.

Blankenburg (Harz), 31.07.2019

Heiko Breithaupt
Bürgermeister

Das Label

Flyer (Der Infoflyer stellt kurz alle wichtigen Infos rund um das Label dar.)

Broschüre (Die Broschüre gibt einen Überblick zu den zentralen Themen eines ökologischen Grünflächen-managements und veranschaulicht diese mit Praxisbeispielen.)

Argumentationspapier (Das Argumentationspapier liefert die wichtigsten Gründe für eine naturnahe Gestaltung der innerstädtischen Grünflächen.)

Handlungsoptionen (Die Handlungsoptionen skizzieren Spielräume von Kommunen zur Förderung der biologischen Vielfalt im Siedlungsraum.)

Handlungsempfehlungen & Informationen für Bürger*innen

Broschüre "Insektenfreundlich gärtnern" des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit)

Broschüre "Wir tun was für Bienen. Ratgeber für bienenfreundliches Gärtnern", herausgegeben von der Stiftung für Mensch und Umwelt.

NABU-Tipp „Gärtnern ohne Gift“ zum kostenlosen Download